Nordpol

Eine Weihnachtsgeschichte

Posted In: Lifestyle | Story
Ihr Lieben, ich hoffe, ihr hattet alle wunderschöne Feiertage – und diejenigen von euch, die Weihnachten gefeiert haben, ein wundervolles Weihnachtsfest. Eigentlich hätte ich heute für euch einen ganz anderen Blogpost gehabt, aber weil irgendwie noch so viel Weihnachtsstimmung in mir steckte, habe ich heute eine kleine Weihnachtsgeschichte geschrieben. Warum auch nicht. Ich wünsche euch schon jetzt einen wundervollen Start ins neue Jahr und ganz viel Glück, Liebe und Gesundheit für 2018.

Eine Weihnachts- geschichte

 

Wie jedes Jahr feierte Familie Weiher auch dieses Jahr wieder Weihnachten zusammen. Der Heilige Abend lief fast immer gleich ab. Nach dem alljährlichen Kirchenbesuch aß die Familie zusammen. Meistens, wie auch dieses Jahr, gab’ es einen fetten Gänsebraten. Dann sangen sie vor dem reich geschmückten Weihnachtsbaum ein paar Lieder. Nicht filmreif, aber doch so schön, dass ein draußen Vorbeilaufender vielleicht kurz inne halten und ein paar Minuten lauschen würde. Als die Kinder noch jünger waren, sangen sie mindestens eine Dreiviertelstunde. Anja, die Jüngste der drei Kinder spielte in zwei aufeinanderfolgenden Jahren auf ihrer Blockflöte. Im dritten Jahr fühlte sie sich zu alt für die kindliche Blockflöte. Dem Vater war das ganz Recht – der Blockflöte konnte er schon in seiner Jungend nicht viel abgewinnen. Ein paar Jahre später hatte Thomas das Schlagzeug spielen entdeckt und stiftete ein paar Trommelwirbel bei. Aber schon im nächsten Jahr hatte sich das Schlagzeug spielen wieder erledigt. Thomas war nun Wasserballspieler. Einer der besten in seinem Team. Mit den Jahren kam es, dass das Singen immer weniger wurde. Und dieses Jahr sangen sie nur noch zwei Weihnachtslieder. Oh Tannenbaum und ein russisches Weihnachtslied, das Oma früher immer gesungen hatte.

 

Mutter und Anja liebten Weihnachten seit jeher. Trotz all der Arbeit, die jedes Jahr auf die Mutter zukam, umgab’ sie zur Weihnachtszeit stets eine wohlige Wärme. Das weihnachtlich geschmückte Haus, das leckere Essen, das Singen vor dem Weihnachtsbaum, die Zeit mit der Familie – das alles liebte die Mutter. Doch mit den Jahren wurde immer weniger geschmückt, weniger gesungen und auch die Kinder hatten immer weniger Zeit. Das empfand’ die Mutter als sehr traurig. Doch sie sagte nichts.

 

Für Anja bedeuteten die tollen Geschenke das größte Glück. Die Mutter gab’ sich immer große Mühe für alle das passende Geschenk zu besorgen. Jedes Jahr schrieb’ Anja einen langen Wunschzettel, den sie an Mutter und Vater und später auch an ihre Geschwister verteilte. Je mehr Anja von ihrer Wunschliste geschenkt bekam, desto schöner blieb’ ihr das Weihnachtsfest in Erinnerung. Mit den Jahren bekam sie jedoch immer weniger von ihrer Wunschliste und immer mehr Geschenke, von denen die anderen dachten, das sie ihr gefallen könnten. Oft gefielen ihr die Geschenke aber nicht. Doch sie sagte nichts.

 

Der Vater hasste Weihnachten. Zwar war er froh, dass er von seiner anstrengenden Arbeit mal ein paar Tage frei hatte, doch wäre ihm ein bisschen mehr Ruhe lieber gewesen. Einen Tannenbaum besorgen und aufstellen, die Gans bestellen und abholen, Holz für den Kamin hacken, den unbequemen Anzug für den Kirchenbesuch tragen und tagelang von früh bis spät Weihnachtsmusik hören – das alles missfiel ihm. Doch er sagte nichts.

 

Thomas, der Älteste der drei Kinder liebte Weihnachten als er jünger war. Doch je älter er wurde, desto kritischer wurde er und noch lange bevor er es für sich selbst formulieren konnte, wurde er zum Atheisten. Das Weihnachtsfest und sein Ursprung machten für ihn für keinen Sinn mehr. Doch er sagte nichts.

 

Manuel, der Mittlere der drei Kinder, liebte Weihnachten nicht und hasste Weihnachten nicht. Er aß gerne die Gans; über die Geschenke freute er sich, aber eigentlich machte er sich um all das keine Gedanken. Und je älter er wurde, desto gleichgültiger wurde ihm das Weihnachtsfest. Über Geschenke freute er sich nicht mehr und auch die Gans schmeckte ihm lange nicht mehr so gut wie einst. Doch er sagte nichts.

 

Und so kam es, dass sich in diesem Jahr eigentlich keiner mehr so richtig auf Weihnachten freute.

 

Der Vater sagte: „Ich fahre mal schnell den Weihnachtsbaum holen.“,
aber dachte: „Verflucht seist Du, blöder Tannenbaum, der mir jedes Jahr das Auto zerkratzt. Und schnell geht hier vor Weihnachten auch nichts. Jetzt hat es auch noch geschneit. Es wird Stunden dauern, bis ich hinter all den Amateuren, die im Schnee nicht fahren können, hinterher geschlichen bin. Und im Radio läuft nichts als Weihnachtsmusik. Ich hasse Weihnachten!“

 

Die Mutter sagte: „Kommt, lasst’ uns schnell ein, zwei Lieder singen, bevor wir die Geschenke auspacken.“,
aber dachte: „Da gebe ich mir so viel Mühe mit dem Essen und den Geschenken, dass ich meine Familie fast dazu zwingen muss, wenigstens zwei Lieder mit mir zu singen. Dieses Jahr bin ich so gar nicht in Weihnachtsstimmung!“

 

Anja sagte: „Oh, vielen Dank, Mutter und Vater. Darüber freue ich mich sehr.“,
aber dachte: „Na, klasse, da schreibe ich euch vor Wochen zehn Dinge auf, über ich die mich freuen würde und ihr schafft es trotzdem, mir ein dämliches Buch, das mich gar nicht interessiert, zu schenken. Früher war Weihnachten schöner!”

 

Thomas sagte: „Frohe Weihnachten!“,
aber dachte: „Heute feiern wir die Geburt eines Kindes, das nie gelebt hat und an Ostern feiern wir, dass es von den Toten auferstanden ist. Das einzige Wunder, das ich hier erkennen kann ist, dass so viele Menschen wirklich daran glauben. Weihnachten ist Unsinn!”

 

Manuel sagte: „Guten Appetit. Schön, dass wir hier zusammen sind.“,
aber dachte: „Boah, hoffentlich ist das neue Assassin’s Creed wieder so richtig gut. Ich geh’ direkt morgen zum Saturn und kauf’ die Special Version – vielleicht kommt Tim mit, dann können wir danach zusammen zocken. Ach, Mist, Saturn hat morgen geschlossen, es ist ja Weihnachten!“

Während des ganzen Heiligen Abends; auf dem Weg zur Kirche, beim Essen und beim Geschenke auspacken wurde viel gesprochen, doch sagte keiner, was er wirklich dachte. Nachdem die Gans gegessen, die zwei Lieder gesungen und alle Geschenke ausgepackt waren, setzte sich die Familie an den Kamin. Der Vater schaute zum ach so gehassten Tannenbaum rüber, dachte an die vielen Jahren, die er nun schon einen Baum besorgt hatte, an die vielen Kratzer in seinem Auto, an das ungeliebte Blockflötenspiel seiner Tochter, an all die Weihnachtslieder, die er schon viel zu oft gehört hatte, den engen Anzug, den er noch immer trug und fragte sich, wie viele Familienväter wohl in diesem Moment denselben Gedanken haben mögen. Und während er sich das fragte, fing’ er plötzlich lauthals zu lachen an. Er lachte so arg, dass er kein Wort heraus brachte. Irritiert schauten ihn die anderen an und fragten, was mit ihm los sei. Doch der Vater musste immer heftiger und heftiger lachen und schließlich sagte er: „Ich hasse Weihnachten!“ und lachte noch heftiger los. Jahrelang hatte er nichts gesagt, um seiner Familie das Fest nicht zu verderben. Doch ganz zum Erstaunen des Vaters fiel die ganze Familie in schallendes Gelächter aus. „Dieses Jahr bin ich so gar nicht in Weihnachtsstimmung!“ brüllte die Mutter, „Früher war Weihnachten schöner!“ lachte die Tochter, „Weihnachten ist Unsinn!“ jaulte der Ältere, „Saturn hat morgen geschlossen.“ prustete der Mittlere. Und so lachten sie alle noch eine Weile zusammen weiter. Vielleicht lachten sie eine Dreiviertelstunde. Wer weiss das schon. Jedenfalls lachten sie so herzlich und laut, dass ein draußen Vorbeilaufender ganz sicher kurz inne halten und ein paar Minuten lauschen würde. Als sich alle ein bisschen beruhigt hatten, sagte der Vater: „Moment, warum haben wir denn alle nichts gesagt?“.

 

„Weil ich euch liebe.“ schoss es gleichzeitig aus allen heraus. Und so kam es, dass am Heiligen Abend doch noch alle gleichzeitig sagten, was sie dachten. Und obwohl sie alle so unterschiedlich über Weihnachten dachten, fühlten sie doch alle dasselbe. Liebe.

 

Eine Weihnachtsgeschichte – von mir für euch. <3

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